Einleitung

 

Dementielle Erkrankungen im Alter gewinnen zunehmend an Bedeu­tung, da sich der Anteil der älteren Menschen in unserer Gesellschaft vergrößert und die durchschnittliche Lebenserwartung ebenfalls an­steigt. Obwohl sprachliche Beeinträchtigungen zum Regelverlauf von Demenz gehören, haben sprachtherapeutische Maßnahmen bislang noch keinen festen Platz gefunden. Sprachförderung wird zudem häu­fig mit Kindern in Verbindung gebracht. Denkt man an Erwachsene und ältere Menschen, so hat man häufig die Assoziation von Sprach­förderung nach plötzlich eintretenden Krankheiten, wie Schlaganfällen oder Operationen. Bei demenzkranken älteren Menschen wird häufig die Frage gestellt „Lohnt sich das?“, sofern diese Menschen überhaupt in den Blickpunkt der Betrachtung gerückt werden. Muss man, um Sprachförderung erhalten und Nutzen daraus ziehen zu können, also klar im Kopf sein? 

Sprache ist ein Bestandteil der Persönlichkeit jedes Menschen, darum ist sprachliche Förderung in jedem Alter und in jedem geistigen Zu­stand (also auch im Zustand der Verwirrung) sinnvoll. Unbestritten ist ebenfalls, dass Sprache eng mit dem Denken verbunden ist, insofern könnte umgekehrt die Förderung der Sprachlichkeit letztendlich auch einen Beitrag zum „Ent-wirren“ des Denkens leisten. Da der Mensch in Sprache denkt und lebt, scheint geradezu die pragmatische Not­wendigkeit zu bestehen, die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern bzw. so weit wie möglich zu erhalten. Dies ist wesentlich für das teil­nehmende Leben an und in jeglichen Alltagssituationen und somit lohnenswert für jeden Menschen.


Aus
Saskia Buchter
"Ich hab noch etwas zu sagen!"
Sprachliche Förderung bei Altersdemenz
ISBN 3-930760-50-9