Zur Grundhaltung des Therapeuten

Grundsätzlich ist Sprachtherapie keine Installation von Sprache, sondern ein pädagogischer Prozess, der dialogisch orientiert ist und somit nicht auf schulischen Unterweisungen gründet. Diese dialogi-sche Sichtweise impliziert, den Menschen als mündiges Subjekt zu betrachten. Im Zentrum der Betrachtung steht somit der Mensch selbst und nicht lediglich die Störungsbilder (vgl. WESTRICH 1995, S. 145ff.).

Bei sprachheilpädagogischer Arbeit gilt grundsätzlich, dass der Päda-goge sich "[...] als ganze Person einbringen und nicht eine Methode oder ein Programm statt seiner arbeiten lassen [...]" kann (KROPPENBERG 1991, S. 382). Dies bedeutet, dass der Sprachheil-pädagoge bei der Arbeit mit sprachlich beeinträchtigten Demenzer-krankten sich einfühlend auf ihre Erlebniswelt einlässt. STEINER fordert, die Betroffenen nicht an unsere Realität anzupassen, sondern stattdessen zu versuchen, uns an ihre Realität anzupassen (vgl. STEINER 2001a, S. 230).

Eine therapeutische Beziehung mit einem Demenzerkrankten einzu-gehen und sich auf seine Erlebniswelt einzulassen, bedeutet jedoch auch, das Eigentempo der betreffenden Person zu respektieren und sich der Langsamkeit der Prozesse anzupassen. Das Augenmerk des Pädagogen sollte eher auf Aktivität anstatt auf Korrektheit liegen. In Gesprächen sollten daher eher weniger als zuviel Worte benutzt werden. Handlungsleitlinie ist somit Abwarten anstatt Fortfahren, was viel Geduld erfordert. Es ist Aufgabe des Sprachheilpädagogen, den Klienten in tatsächliche Situationen zu führen, bei denen er sich verbliebener Kompetenzen bewusst wird. Gleichzeitig ist jedoch auch darauf zu achten, den Menschen dabei nicht vorzuführen (vgl. ebd.).

Der Sprachheilpädagoge ist somit nicht Sprach-Lern-Technologe, der primär Phonem-Wort-Satz-Einheiten berücksichtigt, sondern Wegbe-reiter der Alltagskommunikation, bei der die Welt des Kontakts, des Gesprächs und des gemeinsamen Tuns sowie Sinnfragen eine zentrale Rolle spielen (vgl. NEUBART u.a. 1998 , S. 81f.).

Aus
Saskia Buchter
"Ich hab noch etwas zu sagen!"
Sprachliche Förderung bei Altersdemenz
ISBN 3-930760-50-9