Therapieziele

Therapieren in diesem Zusammenhang heißt in erster Linie Kompetenzerfahrungen vermitteln. Wenngleich es nicht möglich scheint, frühere Kompetenzen in vollem Umfang wiederherzustellen, ist es dennoch meist möglich, diese zu erweitern. Der Klient soll in der Therapie erfahren, dass er noch zuhören kann und Wichtiges zu sagen hat. Gelingt es, diese Erfahrung zu vermitteln, kann sich der Betreffende Umwelt- und Alltagssituationen besser stellen. Ziel der Sprachtherapie ist somit Erhaltung oder Aufbau von Selbständigkeit und Lebensqualität in kommunikativen Alltagssituationen mit mehr Ver-trauen in die eigene Kompetenz. Therapieerfolg misst sich somit weniger an syntaktisch korrekten Sätzen, als vielmehr am erfolgreichen Erleben von alltäglichen Gesprächssituationen (vgl. NEUBART u.a. 1998, S. 80f.). STEINER definiert die Ziele ähnlich als die Aufrechterhaltung der kommunikativen Rest-Kompetenz, als entängstigende Belastungsverarbeitung und das Erlebbarmachen von Kompensationsmöglichkeiten, um die Würde und das Selbst des Betroffenen zu stützen (vgl. STEINER 2001a, S. 230).
Insgesamt gilt es also, die (nicht )sprachliche Mitteilungsfähigkeit zu fördern und die Möglichkeiten zu selbständigen sozialen Kontakten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Im Mittelpunkt steht hierbei die Kommunikation in alltagsorientierten Aufgaben wie Einkaufen, Telefonieren und selbständiges Erledigen. Dies impliziert, dass mit der sprachlichen Förderung so früh wie möglich begonnen werden sollte (vgl. ROSENTHAL 2003).
Es handelt sich also nicht um eine Rehabilitationstherapie im Sinne möglichst vollkommener Wiederherstellung sprachlicher Kompetenzen. Hauptziel ist es, soziale Kontakte und Integration aufrecht zu erhalten, um größtmögliche Lebensqualität zu sichern (vgl. FERRONI & KLÄY 1996, S. 17).


Aus
Saskia Buchter
"Ich hab noch etwas zu sagen!"
Sprachliche Förderung bei Altersdemenz
ISBN 3-930760-50-9