Prof. Dr. Christian Gottfried Daniel NEES v. ESENBECK 
1776 – 1858


Nees v. Esenbeck ist am 14. Februar 1776 auf Schloß Reichenberg bei Reichelsheim im Odenwald geboren, wird von Hauslehrern erzogen und absolviert eine Ausbildung zum Gärtner, bevor er mit sechzehn Jahren das Gymnasium in Darmstadt besucht. Danach beginnt er ein Studium der Medizin, Botanik und Philosophie an der Universität Jena, u.a. bei Hufeland und Schelling, das er 1800 mit der Promotion zum Doktor der Medizin abschließt. Er arbeitet zunächst als praktischer Arzt in Erbach. Nach dem Tod seiner ersten Frau nach nur einjähriger Ehe läßt er sich auf dem von ihr geerbten Hofgut Sickershausen bei Kitzingen als Privatgelehrter nieder und verfaßt seine ersten botanischen und zoologischen Arbeiten. Nachdem er durch Schulden sowie Einquartierung französischer Truppen das Gut Sickershausen aufgeben muß, geht Nees v. Esenbeck als Dozent nach Erlangen und Bonn. 1818 ist er Professor der Botanik in Erlangen und 1819 an der neugegründeten Universität in Bonn, obwohl Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er korrespondiert, ihn in Jena haben wollte. In Bonn legt Nees v. Esenbeck den Botanischen Garten an. 1818 wird er zum Präsidenten der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher in Halle ernannt. 1830/31 wird er Professor der Botanik an der Universität Breslau und Direktor des Botanischen Gartens daselbst. Von nun an tritt sein philosophisches und politisches Interesse mehr und mehr in den Vordergrund. Seit 1839 hält er auch philosophische Vorlesungen. 1846 wählt ihn die deutschkatholische ("christkatholische") Gemeinde Breslau zu ihrem Vorsitzenden, ein Amt, das er bis zu seinem Tod inne hat. Durch ihn entwickelt sich der Antiklerikalismus  J. Ronges zum Pantheismus. 1846 gründet er den "Du-Verein", der nach seinen Vorstellungen die Verbrüderung aller Stände und Klassen einleiten sollte ("Arbeiter-Verbrüderung"), den "Gesundheitspflegeverein", eine Krankenkasse für die Armen und 1848 den Breslauer Arbeiterverein. Im gleichen Jahr ist er Mitglied der Preußischen Nationalversammlung in Berlin und legt dort am 1. Juli einen Verfassungsentwurf zur Abstimmung vor, der selbst der äußersten Linken zu weit ging. In §10 formuliert er: "Das Volk ist Herr, und der Begriff des Untertanen ist aus dem Leben des Staates für ewige Zeiten getilgt." Ende Januar 1849 wird er aus Berlin ausgewiesen und kehrt nach Breslau zurück. Seine Heirat mit einer schlesischen Weberstochter 1848 läßt er aus Prinzip nicht kirchlich sanktionieren und wird deshalb von den Behörden wegen "Unsittlichkeit" angegriffen. Aufgrund seines Engagements bei der Arbeiterverbrüderung wird er nach monatelangen Hausdurchsuchungen und Repressalien am 29. Januar 1851 von der Breslauer Universität suspendiert und am 13. März 1852, inzwischen 76jährig, aller seiner Ämter entsetzt, zu einer Geldstrafe verurteilt und ohne Pension entlassen. Weil er bisher sein Geld an Arbeiter und Arme verteilt hatte, ist er völlig mittellos, muß deshalb seine achtzigtausend Bogen umfassende Pflanzensammlung und seine wertvolle Bibliothek verkaufen und lebt von nun an in einer kleinen Dachkammer. Hier stirbt Nees v Esenbeck am 16. März 1858. Drei Tage später begleiten tausende Arbeiter und Studenten seinen Sarg auf den Friedhof der Freien Gemeinde von Breslau.

Aus
PILICK, Eckhart (Hrsg.): 
Lexikon freireligiöser Personen. 
Verlag Peter Guhl
ISBN 3-930760-11-8