Waren Beethoven, Mozart und Schubert Söhne der Kirche?

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Wir haben die Weltanschauung der großen Drei nicht analysiert, um sie den Kirchen zu entwinden und sie einfach für uns zu vereinnahmen, sondern weil wir der Musik einen besonders hohen Stellenwert einräumen. Die Offenbarung durch die wortlose Natur und die wortlose Musik gehen uns näher als die verbalen Offenbarungen. Die Musik ist am ehesten fähig, das Unbegreifliche ohne Gefahr einer Missdeutung für alle Menschen auszudrücken. Daher ist es für uns äußerst wichtig, darauf hinzuweisen, dass gerade unsere größten Musiker ganz und gar Vertreter der universellen Religiosität sind.
Diese tritt bei jedem Menschen anders in Erscheinung und äußert sich bei Beethoven, Mozart und Schubert in ihren Werken durchaus unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Abgrenzung vom Christentum. 
Die Musik Beethovens hat eher einen objektiven Zug. Es ist das titanische Ringen der Menschheit nach der grandiosen Wahrheit und dem Absoluten. Beethoven offenbarte sich das Göttliche in seiner Majestät und Kraft vor allem im Hehren, im Elementaren, in Naturphänomenen wie Gewitter, Sturm und Morgenröte. Er thematisiert den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen in der Welt. Seine Musik ist episch und dramatisch.
Schuberts Musik ist überwiegend lyrisch. Sie vollzieht psychische Stimmungen nach, das ganz persönliche und individuelle Ringen um Frieden, Ruhe und Geborgenheit. Sein Thema ist der Kampf zwischen dem Dämonischen und dem Göttlichen im Innern des Menschen. Im spezifisch Religiösen fasziniert Schuberts schlichte Andacht, mit der er das Heilige verehrt.
Ganz anders wieder Mozart: Ihm erschien das Göttliche vor allem auch als das pulsierende bunte Leben. Er vertonte das ganze Spektrum der Religiosität von der innig-andächtigen Stimmung über alle Stufen der Feierlichkeit und Festlichkeit bis hin zum Triumphalismus der Kirche und dem Pomp einer Inthronisation. Mozart ist daher auch in seiner Religiosität menschlich umfassend universell. 

Aus
Robert Kehl
Heiden oder Christen
Der Glaube bedeutender Denker, Dichter und Musiker
Herausgeber: Dr. Eckhart Pilick
ISBN 3-930760-40-1