Johannes Ronge

Vier Abhandlungen mit zeitgenössischen Illustrationen und ungedruckten Briefen Ronges

Eckhart Pilick

Rohrbacher Hefte 10

102 Seiten 
ISBN 978-3-930760-80-0



Johannes Ronge und die Aufklärung

Ronge setzte vielmehr Reformation und Revolution in Analogie zueinander, als sich gegenseitig bedingend, sah Religion und Politik als zwei Seiten derselben Medaille. Die Weltgeschichte erschien ihm als „das große Gottesdrama“. Ganz im Geist der Aufklärung und kontrovers zur christli-chen Lehre von der grundsätzlichen Verderbtheit des Men-schen seit dem Sündenfall ging er davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Darin gründete auch die Forderung nach unbedingter Glaubens- und Gewissens-freiheit. Selbst in der „liberalen“ Verfassung Badens bedeu-tete Glaubensfreiheit damals nur die Wahlmöglichkeit zwi-schen der evangelischen und katholischen Konfession (die Juden waren lediglich geduldet). Mit den freireligiösen Ge-meinden und den in Baden von evangelischen Theologen wie Paulus und Zittel begründeten Petitionen wurde erst-mals die Forderung nach Religionsfreiheit statt Konfessi-onsfreiheit erhoben. Es wurde darüber debattiert, ob diese Dissidenten in ihrem religiösen Relativismus überhaupt noch Christen seien, und mancherorts wurde ihnen der Gebrauch dieser Benennung sogar unter Strafe verboten. Gegen den Relativismus, gegen Glaubens- und Gewissens-freiheit richteten sich die ersten kirchlichen Angriffe gleich 1845. Man beschimpfte Ronge als falschen Propheten, Ver-räter, Judas, Meineidigen, Volksaufwiegler, Aufklärer und Kommunisten.

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